Die islâmische Umma … eine Umma der freiwilligen Mehrleistung - Teil 1

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Von Abû Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde überliefert, dass der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Allâh der Erhabene nimmt das Almosen an, Er nimmt es mit Seiner Rechten entgegen und zieht es groß, wie jemand von euch sein Fohlen großzieht, sodass ein Bissen wie der Berg Uhud wird." (Dschâmi As-Suyûtî; von Al-Albânî als authentisch eingestuft).

 

Die islâmische Umma ist in allen Bereichen eine Umma der freiwilligen Mehrleistung. Durch diese Freiwilligkeit hat sie alle Errungenschaften bewirkt. Durch die Freiwilligkeit hat sich diese Religion auf der ganzen Welt verbreitet. Dank der Freiwilligkeit entstand die großartigste Kultur, die die Geschichte bezüglich ihrer Werte, Begriffe und Weltanschauungen je erlebt hat. Dank der Freiwilligkeit hat der Mensch durch die Muslime seine vermisste Menschenwürde zurückbekommen. Dank der Freiwilligkeit haben die Muslime die die Menschlichkeit zerstörende Triade beseitigt, nämlich die Armut, die Krankheit und das Unwissen, sodass die Almosen im ersten Jahrhundert des Islâm zur Staatskasse zurückgebracht worden waren, weil es keinen Bedürftigen gab, der sie annehmen wollte.

 

Durch die Freiwilligkeit wurden alle Menschen zu aufbauenden Kräften einer Kultur, deren Sonne die ganze Welt für mehr als eintausend Jahre erleuchtete, in einer Zeit, in der Europa in Rückstand und Unwissen versunken war, in der Europa sogar von den Kämpfen um materielle Begierden und Lehngüter zerrissen war.

 

Als der Geist der Freiwilligkeit in der islâmischen Gesellschaft die Oberhand hatte, kannte die Umma viele Probleme gar nicht, die zurzeit weit verbreitet sind, wie Arbeitslosigkeit, Analphabetentum, Drogenkonsum, Jugendkriminalität, Umweltverschmutzung und Ähnliches. Allâh der Erhabene sagt: "Das Gleichnis derjenigen, die ihren Besitz auf Allâhs Weg ausgeben, ist das eines Saatkorns, das sieben Ähren wachsen lässt, (und) in jeder Ähre hundert Körner. Allâh vervielfacht, wem Er will. Und Allâh ist Allumfassend und Allwissend." (Sûra 2:261). Diese Verfassung (der Qurân) beginnt nicht mit der Verpflichtung und Auferlegung, sondern mit der Ermutigung und Versöhnung. Er mobilisiert die lebendigen Gefühle und Empfindungen im ganzen menschlichen Wesen. Er zeigt eines der lebendigen, gebenden, lebensspendenden und pulsierenden Bilder des Lebens: das Bild des Pflanzens, das Geschenk des Bodens oder das Geschenk Allâhs. Das Pflanzen, das Vielfaches erbringt und dessen Erträge das Saatgut um ein Vielfaches übertrifft. Er führt dieses inspirierende Bild als Gleichnis für diejenigen an, die ihren Besitz auf dem Weg Allâhs hergeben. Im Zuge des wachsenden und spendenden Lebens richtet er das menschliche Gewissen auf die Freigebigkeit und Freizügigkeit, denn dadurch gibt man eigentlich nicht, sondern nimmt, und man verliert nichts, sondern gewinnt. Die Wellen der Freigebigkeit und des Wachstums gehen weiter und verdoppeln die vom Bild des Pflanzens und der Erträge mobilisierten Gefühle, denn Allâh vervielfacht, wem er will – Er vervielfacht grenzenlos und maßlos, Er vervielfacht aus Seiner Versorgung, deren Grenzen niemand kennt, und aus Seiner Barmherzigkeit, deren Ausmaß keiner kennt.

 

-      Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Gebt Almosen, bevor die Zeit auf euch zukommt, zu der ihr keine Almosen geben könnt! Man gibt Almosen von seinem Dînâr, man gibt von seinem Dirham, man gibt von seinem Weizen, von seinen Datteln oder von seiner Gerste. Verachte kein Almosen, und wenn es nur eine halbe Dattel ist!" (Überliefert von Muslim).

-      "Jedes Almosen, das man gibt, zerrt man aus den Zähnen von siebzig Satanen heraus." (Überliefert von Ahmad, und von Al-Albânî als authentisch eingestuft).

-      "Die guten Taten schützen vor Unheil, das Almosen löscht den Zorn des Herrn und die Pflege der Verwandtschaftsbande verlängert die Lebensdauer." (At-Targhîb wa At-Tarhîb Al-Mundirî; von Al-Albânî als authentisch eingestuft).

-      "Das beste Almosen ist das, was man nach Befriedigung seiner Bedürfnisse gibt, und beginne mit denjenigen, die du unterhältst!" (Überliefert von Al-Buchârî).

-      "Wer etwas Silber oder etwas Milch spendet oder einen Behälter (Milch oder Honig) schenkt, ist wie derjenige, der einen Sklaven freilässt." (Dschâmi As-Suyûtî; von Al-Albânî als authentisch eingestuft).

-      Ein Mann fragte den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): "O Gesandter Allâhs, welches Almosen ist am besten?" Er antwortete: "Dass du Almosen gibst, solange du noch gesund bist, und auf deinem Besitz beharrst, die Armut fürchtest und den Reichtum erhoffst, und dass du nicht solange abwartest, bis die Seele kurz vor dem Verlassen des Körpers im Halse steckt und du nunmehr sagst: Für den Soundso so viel und für den Soundso so viel, doch ist in Wirklichkeit das Almosen nun dem Soundso [den Erben] zuteil." (Überliefert von Al-Buchârî).

 

Der Gelehrte Al-Munâwî sagte: "»Allâh nimmt das Almosen an, Er nimmt es mit Seiner Rechten entgegen«: Das ist gleichbedeutend mit der guten Annahme, denn was einen zufrieden macht, nimmt man normalerweise mit seiner Rechten entgegen. Man sagte auch, dass Er die rechte Hand erwähnte, weil sie gewöhnlich für das Wertvolle, während die linke für das Minderwertige steht. »Er zieht es für euch groß« bedeutet, dass Er die Belohnung dafür vervielfacht, also es vermehrt, damit es auf der Waagschale mehr wiegt. »Wie jemand von euch sein Fohlen großzieht«: Das ist ein Vergleich, damit sie besser verstehen. Das Fohlen ist das kleine Pferd, und er benutzte es im Vergleich, weil es deutlich und bemerkbar wächst. Im Werk Al-Kaschf steht: »Dieses Gleichnis zeigt, dass das Wenigste durch die Erziehung zu etwas Großartigem werden kann.«" (Aus: Faidhu Al-Qadîr von Al-Munâwî).

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