Das ideologische Fundament des Islâm: Allâh - Teil 1

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Das Wissen über Gott und der Glaube an Ihn stellen das eigentliche Fundament des Islâm dar. Die Frage nach der Existenz Gottes hat bedeutende Denker viele Jahrhunderte hindurch beschäftigt. Diejenigen, die an Gott glauben, scheinen sich darin einig zu sein, dass die begrenzte, endliche menschliche Verstandeskraft die Existenz des unendlichen, grenzenlosen Gottes nicht beweisen kann. Sie kann Seine Existenz zur Befriedigung des neugierigen menschlichen Verstandes lediglich veranschaulichen oder darlegen. Diejenigen, die Gott leugnen, behaupten, sich auf Wissenschaft, Philosophie oder spezielle wissenschaftliche Theorien zu stützen.

 

Ihre Argumente sind teils unzutreffend, teils irrelevant, immer komplex und oft unverständlich. Der reife, freie Verstand findet jedoch seinen Weg zu Gott. Findet man den Weg nicht, so bedeutet dies nicht, dass es keinen Weg gibt. Leugnet man die Realität, so wird diese dadurch nicht unreal. Das Thema ist so wesentlich, dass es einer gründlichen und deutlichen Erörterung bedarf. Der Eindeutigkeit halber wird eine schlichte Darstellungsweise verwendet. Dies könnte für diejenigen, die bereits etwas über dieses Thema wissen, langweilig oder zu schlicht klingen. Derart informierte Menschen sind aufgefordert, Geduld zu üben und der Bedeutung der Angelegenheit gebührende Wertschätzung beizumessen!
 
Es gibt Personen, die das Gotteskonzept gerne im Namen der Wissenschaft oder auf Grund mangelnder Sachkenntnis und Verständigkeit anzweifeln. Die Einstellung dieser Menschen spiegelt ihre unsichere Geisteshaltung wieder, obwohl sie behaupten, gebildete Intellektuelle zu sein. Ich werde mich nicht mit ihren Behauptungen befassen, sondern vielmehr mit ihrer tatsächlichen Einstellung. Dies erklärt, warum ein Großteil der Erörterung in einer schlichten Form gestaltet ist, als richte sie sich hauptsächlich an Kinder und nicht an Erwachsene. Zum Weiteren ist es ein Hauptziel dieser Arbeit, jungen Muslimen das wahre Gotteskonzept im Islâm zu vermitteln. Ein weiterer Aspekt ist, dass das Gotteskonzept im Islâm in den Köpfen vieler Nicht-Muslime, die angeblich an Gott glauben und Verfechter der Religion sind, verzerrt ist.

 

Aus diesen Gründen werden bei dieser Präsentation einige schlichte und möglicherweise rudimentäre Darlegungen verwendet. Die Schlichtheit einiger Argumente könnte viele Erwachsene dazu bewegen, tiefgründig nachzudenken. Ist dies der Fall, so hat sie sich als wünschenswerte und kreative Schlichtheit erwiesen, die ihrerseits ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal des Islâm ist.

 

Wenn wir uns in unserer Umwelt umsehen, erkennen wir, dass jede Familie ein Oberhaupt hat, jede Schule einen Rektor, jede Stadt oder Gemeinde einen Bürgermeister, jedes Bundesland einen Ministerpräsidenten und jede Nation ein Staatsoberhaupt. Zudem wissen wir zweifellos, dass jedes Produkt das Resultat der Arbeit eines bestimmten Produzenten ist, und dass jede schöne Kunst die Kreation eines großartigen Künstlers ist. All dies ist offensichtlich. Dennoch stillt es nicht den Wissenshunger und die Neugier des Menschen nach den großartigen Dingen in der Welt. Oft staunt man über die Schönheit der Natur mit ihren landschaftlichen Reizen und Wundern, den fast endlosen Horizont am Himmel und dessen weitreichende Ausdehnung, die ständige Aufeinanderfolge von Tag und Nacht in äußerst geordneter Weise, den Lauf der Sonne, des Mondes und der großen Sterne, die Welt der belebten und unbelebten Objekte, das anhaltende Fortschreiten und die Entstehung der Menschen Generation um Generation. Man macht sich oft Gedanken, da man gerne den Schöpfer und Erhalter all dieser Dinge, mit denen wir leben und die wir sehr genießen, kennen würde.

 

Können wir eine Erklärung für das großartige Universum finden? Gibt es irgendeine überzeugende Interpretation für das Geheimnis des Lebens? Wir sehen ein, dass keine Familie ohne ein zuständiges Oberhaupt einwandfrei funktionieren kann, dass keine Stadt ohne eine intakte Verwaltung wohlhabend sein kann, und dass kein Staat ohne ein Oberhaupt jeglicher Art fortbestehen kann. Wir sehen auch ein, dass nichts von selbst ins Dasein kommt. Ferner beobachten wir, dass das Universum in äußerst geordneter Weise existiert und funktioniert und dass es bereits seit Hunderttausenden von Jahren besteht. Können wir dann sagen, dass all dies zufällig und planlos ist? Oder können wir die Existenz des Menschen und die ganze Welt bloßem Zufall zuschreiben?

 

Wenn der Mensch versehentlich oder rein zufällig ins Dasein käme, würde sein ganzes Leben auf dem Zufall beruhen, und seine ganze Existenz wäre bedeutungslos. Doch kein vernünftiger Mensch kann sein Leben als bedeutungslos betrachten, und kein vernünftiges Wesen würde sein Leben dem schwankenden Zufall überlassen. Jeder vernünftige Mensch versucht sein Leben so sinnvoll wie möglich zu gestalten, und für sich selbst gemäß einem Plan ein Verhaltensmodell zu bestimmen. Individuen, Gruppen und Nationen planen ihr Vorgehen, und jeder sorgfältige Plan erzeugt einige gewünschte Effekte. Tatsache ist, dass der Mensch sich auf die eine oder andere Art und Weise mit dem Planen beschäftigt und die Vorzüge guter Planung zu schätzen weiß.

 

Der Mensch macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil des riesigen Universums aus. Wenn er planen und die Vorzüge des Planens wertschätzen kann, dann müssen seine eigene Existenz und das Fortbestehen des Universums ebenso auf einem geplanten Konzept beruhen. Dies bedeutet, dass es einen planenden Willen hinter unserer materiellen Existenz, einen einzigartigen Verstand in der Welt gibt, der Dinge ins Dasein bringt und sie geordnet in Bewegung hält. Die erstaunlichen Wunder unserer Welt und die Geheimnisse des Lebens sind zu immens, um lediglich das Produkt eines willkürlichen Zufalls oder eines bloßen Glückfalls zu sein.

 

Folglich muss in der Welt eine große Kraft im Einsatz sein, die alles in Ordnung hält. In der schönen Natur muss es einen großartigen Gestalter geben, der die bezauberndsten Kunstwerke schafft und alles für einen bestimmten Lebenszweck hervorbringt. Diese Kraft ist die stärkste aller Kräfte, und dieser Gestalter der großartigste aller Gestalter. Wahre Gläubige und sehr aufgeklärte Menschen erkennen diesen Gestalter und nennen Ihn Allâh oder Gott. Sie nennen Ihn Gott, weil Er der Schöpfer und Hauptarchitekt der Welt ist, der Urheber des Lebens und der Versorger aller existierenden Dinge. Er ist kein Mensch, da kein Mensch einen anderen Menschen erschaffen oder herstellen kann. Er ist weder ein Tier noch eine Pflanze. Er ist weder ein Götze noch irgendeine Statue, da nichts von alledem sich selbst oder irgendetwas Anderes hervorbringen kann. Er ist keine Maschine. Er ist weder die Sonne, der Mond noch irgendein anderes Gestirn, da diese Dinge von einem großartigen System gelenkt werden und selbst von jemandem erschaffen wurden. Er unterscheidet sich von all diesen Dingen, da Er der Schöpfer und Erhalter von ihnen allen ist. Der Schöpfer einer Sache muss sich von der Sache, die er erschafft, unterscheiden und großartiger sein. Wir wissen zudem, dass nichts von selbst ins Dasein kommen kann, und dass die erstaunliche Welt sich nicht selbst erschuf oder durch Zufall ins Dasein kam. Die ständigen Veränderungen in der Welt beweisen, dass sie erschaffen wurde. Und alles, was erschaffen wurde, muss in irgendeiner Form einen Schöpfer haben.

 

Das ideologische Fundament des Islâm: Allâh - Teil 2

Das ideologische Fundament des Islâm: Allâh - Teil 3

 

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